connie schmerle:die sand- frau
|
mäßig rollen der glocken wogen
über rotverbranntes mauerwerk.
ermüdet heben kinder schiefer
und versenken geschürfte glieder
in den braunen warmen schössen.
horch, wer brüllt in heiligen hallen
namen und namen aus dem kalk?
sie scheint doch selbst so träge -
ihr haar fegt ihren spuren nach.
doch wehe, dem schreienden auge, wehe.
flugs, sortiere dich, richte das stroh.
erbärmlich entrinnt dir ein echo;
ein jammerndes, verwundetes ach,
das sie aufspüren wird.
gib ihr zeit. du bist geborener fraß.
um vertrauen zu prahlen,
steht sie offen, deine tür. du narr!
glaubst, ihr zweizack sei ein stern -
ein kalter zwar, ein einzelner,
jedoch wunder genug für deinen altar.
|
träume zieht sie dir vom kinn
und bepflastert dein fenster
mit tuschelnden zerrspiegeln.
sie gart dich mit einer mutter liebe
im salzenen eintopf nach hausfrauenart.
in pökel magst du dich besser halten,
auch knipsen lässt du dich gut.
zart und schmackhaft serviert
zierst du, wie ein traniges omen
jedes anstandslaken in vollendung.
doch bei licht - denke daran,
wirkst du zum lachen, ungelenker [pavian.
und die kinder, welche im morgen [schlüpfen,
wissen ein anderes, als dich zu [bedauern.
sie spielen kopfball mit dem grießkloß.
|